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Aktuell im Stadtteil

 

Dahlhausen -
Hochburg für Erinnerungen

Aktuelles Projekt „Maikäfer flieg!“ stößt auf großes Echo

 

Der VHS-Geschichtskurs „Zur Geschichte von Linden und Dahlhausen“ ist mittlerweile über die Grenzen Bochums hinaus bekannt. Die Publikationen der Arbeitsgemeinschaft sind beliebt und auch im 28. Jahr seines Bestehens spricht das Kursprogramm immer wieder neue Teilnehmer an.

Im vergangenen Jahr gab es innerhalb des Kurses wegen großer Nachfrage gleich drei Veranstaltungsabende zum Thema Kinderlandverschickung (KLV). Nach entsprechenden Hinweisen in der Lokalpresse zeigte sich, dass dieses Thema auf großes Interesse auch in anderen Bochumer Stadtteilen stieß. An drei Abenden nahmen jeweils bis zu 50 Personen teil und beteiligten sich mit eigenen Berichten und Kommentaren. Verschiedene Zeitzeugen brachten Fotos und andere Erinnerungsstücke an die KLV-Zeit mit.

Da das Interesse an diesem Thema so groß ist, bietet die VHS Bochum jetzt einen Gesprächskreis „Maikäfer flieg! Erweiterte Kinderlandverschickung – KLV“ zu dieser Thematik an. Dort hat jeder Interessent die Möglichkeit, seinen ganz persönlichen Erfahrungsbericht zu erzählen, Fotos oder andere Dokumente mitzubringen und sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen.

Am Dienstag, 13. Februar 2007, fand der erste Gesprächskreis statt. Ihm folgen noch fünf weitere (siehe unten). Die Gesprächskreise finden unter Leitung der Dozentin Margrid Gantenberg in der ehemaligen Volksschule, Bochum-Oberdahlhausen, Kassenberger Straße 160, statt und beginnen um 17.00 und enden um 19.00 Uhr. Die Bushaltestelle „Meinholtweg“ der BOGESTRA (Linien 390 und 345) befindet sich etwa 100 m von der Schule entfernt.

Zum ersten Gesprächskreis kamen über 40 Zeitzeugen, die von ihrer KLV-Zeit berichteten und Fotos, Dokumente, Poesiealben und ähnliches aus dieser Zeit mitbrachten. Es wurden beeindruckende und interessante Erlebnisberichte erzählt. Auch bei den Erzählungen am ersten Abend des Gesprächskreises wurde deutlich, dass die Zeit der KLV für viele Teilnehmer unterschiedlich bewertet wird: Entweder war es die schönste Zeit ihrer Kindheit oder Jugend, oder diese Zeit hat sie so nachhaltig beeinflusst, dass noch über 60 Jahre danach in den Erzählungen Angst und Schrecken von damals spürbar sind. Erschütternd sind die Berichte über das Schicksal einiger Kinder in den Lagern und über die oft im letzten Moment erfolgte Flucht, die Front in hörbarer Nähe. Viele Teilnehmer des Gesprächskreises sind damit einverstanden, dass ihre Berichte in einer Publikation gesammelt und abgedruckt werden. Einige kamen schon zum ersten Abend mit ihren Memoiren, die sie gerne zur Verfügung stellen wollen.

Weitere Termine des Gesprächskreises (jeweils 17-19 Uhr):

* 27. Februar

* 13. März    

* 27. März    

* 15. Mai

* 29. Mai

Gäste sind herzlich willkommen.


Mit dem Thema der erweiterten Kinderlandverschickung beschäftigt sich Margrid Gantenberg schon länger. Im Frühsommer 2006 machte sie sich auf nach Tempelburg (heute Czaplinek) in das frühere Hinterpommern, im heutigen Polen, um auf den Spuren der Kinderlandverschickung ihres Vaters, Walter Gantenberg, zu wandeln. Ihr Vater erlebte die Schulevakuierung vom Frühsommer 1943 bis Februar 1945. Er kam mit seiner Mutter und Schwester nach Tempelburg in Hinterpommern. Die heutige Stadt Czaplinek steht komplett unter Denkmalschutz und ist idyllisch von einer seenreichen Landschaft umgeben.

Die Erlebnisse und Eindrücke in Tempelburg und Umgebung beeindruckten Margrid Gantenberg sehr. Vieles von dem, was sie aus den Erzählungen ihres Vaters kannte, war noch vorhanden und konnte so auch visuell zugeordnet werden, meint man doch, dass dort im früheren Hinterpommern die Zeit an manchem Ort stehen geblieben sei. Seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Erweiterte Kinderlandverschickung und benannte den Gesprächskreis „Maikäfer flieg!“ nach dem alten Kindervers aus Pommern, der seinen Ursprung im Dreißigjährigen Krieg haben soll: „Maikäfer flieg! Dein Vater ist im Krieg, Deine Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Maikäfer flieg!“

Der Arbeitskreis „Maikäfer flieg! Erweiterte Kinderlandverschickung – KLV in Bochum“ sucht noch weitere Zeitzeugen, die bereit sind, über ihre Erlebnisse zu berichten.

 


Die Dozentin Margrid F. Gantenberg M.A. ist studierte Germanistin und Politikwissenschaftlerin, publiziert regelmäßig insbesondere zu lokalhistorischen Themen in der Tages- und Fachpresse.

Das Thema „Oral History“ (dabei geben Interviews von Betroffenen und Zeitzeugen die persönliche Erfahrung von Geschichte und Vergangenheit wieder) ist für sie von großem Interesse, sind es doch die Menschen, die Geschichte machen, erleben und von ihr erzählen können.

1994 erhielt Margrid Gantenberg eine Auszeichnung für ihren Beitrag „Frauen machen Geschichte: Der Weg von einer Verkäuferin zur Klein-Unternehmerin. Lebensbericht einer Ruhr­gebietsfrau“ beim Geschichtswettbewerb des Forum Geschichtskultur unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten des Landes NRW, Johannes Rau. Dabei hat sie zunächst zahlreiche Interviews mit einer 1906 geborenen Bochumerin geführt, diese ausgewertet und in einen historischen Kontext gestellt. Daraus wurde der umfassende Lebensbericht einer Ruhrgebietsfrau, den sie als Publikation der Jury vorlegte.
 

Schon als Achtjährige interviewte sie mit ihrer damals zehnjährigen Schwester Anette die Tochter von „Stallwilm“ Wilhelm Pennekamp“, Mimi (Wilhelmine) Hohaus. Das Interview, bei dem die jungen Hobby-Historikerinnen zahlreiche interessante Informationen aus dem Leben der Mimi Hohaus in Form von „O-Tönen“ aufzeichneten, ist in das Archiv des VHS-Geschichtskursus und in das Stadtteilarchiv eingegangen und bietet noch dreißig Jahre danach Wissenswertes aus dem Leben der bekannten Dahlhauser Familie Pennekamp und zum Thema Grubenpferde im deutschen Steinkohlenbergbau. An die Zeit der Grubenpferdära hier im Ort erinnert eine Informationstafel am Dahlhauser Bergbauwanderweg.

Erstkontakt zu Margrid Gantenberg kann unter klv-bochum@web.de aufgenommen werden.


 

 

 

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