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Dahlhausen. Dort, wo
sonst Familien mit ihren Kindern unbekümmert die Freizeit verbringen, ereigneten
sich vor 65 Jahren heimtückische Morde. Drei junge Zwangsarbeiter genossen
einen arbeitsfreien Tag und wollten in der Ruhr an der früheren
Flussbadeanstalt schwimmen gehen. Am Nachmittag des 14. April 1945 wurden sie
von mehreren Hitlerjungen hinterrücks erschossen. Ein weiterer russischer
Zwangsarbeiter konnte sich mit einem Sprung in die Ruhr retten. Die Morde
blieben bis heute ungesühnt. Jürgen Schade, ehemaliger Bezirksvertreter der
Sozialen Liste hatte zusammen mit Thomas Lingnau-Konincks von den Grünen den
Aufbau einer Gedenktafel beantragt. Erst kürzlich hatten die beiden
Bezirkspolitiker zu dem Thema eine gut besuchte
Foto- und Textausstellung im Dahlhauser
Bahnhof gezeigt.
Am Volkstrauertag wurde die
Gedenktafel im Beisein von rund 60 Gästen von Bezirksbürgermeisterin Doris
Erdmann der Öffentlichkeit übergeben.
In
ihrer Eröffnungsrede unterstrich sie die Hoffnung, dass durch die Stele die
damaligen Ereignisse und die damit verbundenen Schicksale der ermordeten
Jugendlichen dauerhaft in mahnender Erinnerung bleiben. „Heute, wo wir der
Millionen toter Soldaten aller Nationen, den Menschen, die wegen ihrer Herkunft
und Überzeugung starben, gedenken, ist der richtige Tag, um diese Gedenkstätte
einzuweihen“, sprach Doris Erdmann und erhielt dafür parteiübergreifend viel
Applaus.
„Ich halte es für wichtig,
Orte aufzusuchen, die Erinnerungen unmittelbar bewahren. Dazu gehören
Soldatenfriedhöfe genauso wie ehemalige Konzentrationslager.
Auch
Gedenk- und Begegnungsstätten der jüngeren Vergangenheit, wie z. B. Reste der
deutsch-deutschen Grenze, die so erhalten geblieben sind, wie wir Älteren sie
erleben mussten. All diese Orte bewahren Spuren von Leid und Erfahrungen, die
für uns kaum fassbar sind und können uns noch etwas vermitteln von dem, was vor
Jahrzehnten geschah und eine Brücke schlagen zum Heute.“
Der
stellvertretende Leiter der Verwaltungsstelle Weitmar Bernd Jahn bedankte sich
bei den Steinmetzen Hans und Marcus Hedtfeld aus Sundern. Anstatt der
veranschlagten 2.500 Euro errichteten sie die Stele für 1.850 Euro. Von der Idee
bis zur Realisierung der Gedenktafel vergingen vier Jahre, in denen im Bochumer
Stadtarchiv die Morde aufgearbeitet wurden.
Der
Volkstrauertag, der seit 1952 als nationaler Trauertag begangen wird, ist
auch heute, 57 Jahre später, keine Pflichtübung, so Erdmann. Sie appellierte an
die junge Generation, den Tag zu nutzen, um sich mit der Geschichte zu befassen.
Mit Blick auf den Einzug eines
NPD-Mannes in den Rat der Stadt Bochum fügte Erdmann sorgenvoll hinzu:
„
Gewiss, die Bundesrepublik hat sich zu einer stabilen Demokratie entwickelt, in
der die Wahrung der Menschenrechte hohe Geltung hat, doch unsere Werte sind
nicht ungefährdet. Sie alle kennen die Meldungen von fremdenfeindlichen und
antisemitischen Übergriffen. Sie alle wissen, dass Rechtsextremismus noch immer
existiert.“
Anschließend wurden brennende
Kerzen als Zeichen der Erinnerung an der Gedenktafel aufgestellt.
Hartmut Claes, 16.
November 2009
Mit freundlicher Genehmigung der
WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.
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