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Aktuell im Stadtteil

 

Volkstrauertag 2009

Gedenktafel an der Ruhrmühle erinnert an ermordete russische Zwangsarbeiter

 

 

 

Dahlhausen. Dort, wo sonst Familien mit ihren Kindern unbekümmert die Freizeit verbringen, ereigneten sich vor 65 Jahren  heimtückische Morde.  Drei junge Zwangsarbeiter genossen einen  arbeitsfreien Tag und wollten in der Ruhr an der früheren Flussbadeanstalt schwimmen gehen. Am Nachmittag des 14. April 1945 wurden sie  von mehreren Hitlerjungen hinterrücks erschossen. Ein weiterer russischer Zwangsarbeiter konnte sich mit einem Sprung in die Ruhr retten. Die Morde blieben bis heute ungesühnt. Jürgen Schade, ehemaliger Bezirksvertreter der Sozialen Liste hatte zusammen mit Thomas Lingnau-Konincks von den Grünen den Aufbau einer Gedenktafel beantragt. Erst kürzlich hatten die beiden Bezirkspolitiker zu dem Thema eine gut besuchte Foto- und Textausstellung im Dahlhauser Bahnhof gezeigt.

Am Volkstrauertag wurde die Gedenktafel im Beisein von rund 60 Gästen von Bezirksbürgermeisterin Doris Erdmann der Öffentlichkeit übergeben. Gedenktafel an der Ruhrmühle in DahlhausenIn ihrer Eröffnungsrede unterstrich sie die Hoffnung, dass durch die Stele die damaligen Ereignisse und die damit verbundenen Schicksale der ermordeten Jugendlichen dauerhaft in mahnender Erinnerung bleiben. „Heute, wo wir der Millionen toter Soldaten aller Nationen, den Menschen, die wegen ihrer Herkunft und Überzeugung starben, gedenken, ist der richtige Tag, um diese Gedenkstätte einzuweihen“, sprach Doris Erdmann und erhielt dafür parteiübergreifend viel Applaus.

 „Ich halte es für wichtig, Orte aufzusuchen, die Erinnerungen unmittelbar bewahren. Dazu gehören Soldatenfriedhöfe  genauso wie ehemalige Konzentrationslager. Auch Gedenk- und Begegnungsstätten der jüngeren Vergangenheit, wie z. B. Reste der deutsch-deutschen Grenze, die so erhalten geblieben sind, wie wir Älteren sie erleben mussten. All diese Orte bewahren Spuren von Leid und Erfahrungen, die für uns kaum fassbar sind und können uns noch etwas vermitteln von dem, was vor Jahrzehnten geschah und eine Brücke schlagen zum Heute.“
 

Der stellvertretende Leiter der Verwaltungsstelle Weitmar Bernd Jahn bedankte sich bei den Steinmetzen Hans und Marcus Hedtfeld aus Sundern. Anstatt der veranschlagten 2.500 Euro errichteten sie die Stele für 1.850 Euro. Von der Idee bis zur Realisierung der Gedenktafel vergingen vier Jahre, in denen im Bochumer Stadtarchiv die Morde aufgearbeitet wurden.

 

Der Volkstrauertag, der seit 1952 als nationaler Trauertag begangen wird, ist auch heute, 57 Jahre später, keine Pflichtübung, so Erdmann. Sie appellierte an die junge Generation, den Tag zu nutzen, um sich mit der Geschichte zu befassen.

Mit Blick auf den Einzug eines NPD-Mannes in den Rat der Stadt Bochum fügte Erdmann sorgenvoll hinzu: „ Gewiss, die Bundesrepublik hat sich zu einer stabilen Demokratie entwickelt, in der die Wahrung der Menschenrechte hohe Geltung hat, doch unsere Werte sind nicht ungefährdet. Sie alle kennen die Meldungen von fremdenfeindlichen und antisemitischen Übergriffen. Sie alle wissen, dass Rechtsextremismus noch immer existiert.“

Anschließend wurden brennende Kerzen als Zeichen der Erinnerung  an der Gedenktafel aufgestellt.

 

Hartmut Claes, 16. November 2009

Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.
 

 

 

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