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Aktuell im Stadtteil

 

Zwangsarbeiter in Dahlhausen

Bilderausstellung im Bahnhof - Eröffnung am 8. November

 

 

Dahlhausen. Bemerkenswert waren nicht nur die bewegenden Zeichnungen des ehemaligen Zwangsarbeiters Valerian Lopatto (siehe im Text  weiter unten), sondern auch der unerwartet rege Zuspruch der Bürger aus Dahlhausen und Umgebung.

Gut gefüllt war die frühere Schalterhalle des Dahlhauser Bahnhofs, als Bezirksvertreter Thomas Lingnau-Koninks die zahlreichen Gäste begrüßte. Es liegt in der Natur der Sache, dass es nur wenige konkrete Aufzeichnungen von Zwangsarbeitern gibt, die damals zu sehr mit dem eigenen Überleben beschäftigt waren. „Valerian Lopatto gehört zu diesen wenigen. Er konnte mit der ihm eigenen Ausdruckskraft seine Erlebnisse zeichnerisch verarbeiten“, betonte der Grünen-Politiker, der zusammen mit Heinz-Jürgen Schade die Ausstellung initiiert hatte. Anstelle einer Ansprache griff Schade lieber zur Gitarre und stimmte zusammen mit der Musikgruppe „Zündschnüre“ die Gäste singend auf das ernsthafte Thema ein.

Die Bedeutung der Ausstellung wurde durch die Anwesenheit der Bezirksbürgermeisterin Doris Erdmann unterstrichen. Sie betonte in ihrer Eröffnungsrede die Notwendigkeit, sich mit solchen Bildern auseinander zu setzen, um zu erkennen, welches Leid der Nationalsozialismus den Menschen auch in Dahlhausen zugefügt hat. Abschließend unterstrich sie noch die Hoffnung, dass sich auch Jugendliche auf den Weg in die Ausstellung machen, um sich zu informieren und Fragen zu stellen.

 

Für die Eröffnung der bewegenden Ausstellung hatten sich die beiden örtlichen Bezirksvertreter Jürgen Schade und Thomas Lingnau-Konincks nicht ohne Grund den November ausgesucht. Er ist der Monat, in dem in besonderer Weise getrauert und der Toten gedacht wird. Beide Kommunalpolitiker möchten an ein Ereignis im April 1945 erinnern.

An der ehemaligen Flussbadeanstalt Dahlhausen wurden am 14. April 1945, also noch vier Tage nach der Befreiung der Stadt Bochum durch alliierte Truppen, drei sowjetische Zwangsarbeiter aus dem Lager am Horkenstein ermordet. Ilja Pustylnik, ebenfalls bis April 1945 als Zwangsarbeiter auf der Zeche „Dahlhauser Tiefbau“ eingesetzt, erinnert sich als Zeitzeuge an das Verbrechen: „Vier Kameraden genossen einen arbeitsfreien, sonnigen Nachmittag in der damaligen Badeanstalt an der Ruhr, als mehrere Hitlerjungen auftauchten und sie mit Pistolen beschossen. Kriwouschko, Siwowolos und Prokoschka waren sofort tot. Der vierte konnte sich durch einen Sprung in die Ruhr retten und auf die Ruhrinsel fliehen.“ Diese Morde blieben bis heute ungesühnt.

Hier an der Ruhrmühle in Dahlhausen sollen sich die Morde ereignet haben


Ein weiterer ukrainischer Zwangsarbeiter, Valerian Lopatto (gestorben 2007) war ebenfalls einer von 32.000 Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges unter Zwang und unwürdigen Bedingungen  in Bochum leben und arbeiten mussten. Er konnte 60 Jahre später im Rahmen des Projekts „Humanitäre Hilfe für Zwangsarbeiter“ auf Einladung der Stadt Bochum die Stätten seines Leidens in unserer Stadt besuchen.

Valerian Lopatto  hat seine Erinnerungen an die Strapazen als Zwangsarbeiter in bewegenden Zeichnungen festgehalten, die er dem Stadtarchiv Bochum zur Verfügung gestellt hat. Seine Zeichnungen spiegeln seine persönlichen Erfahrungen wider, die er wie viele andere Zwangsarbeiter auch erleiden musste.

Die Zeichnung von Valerian Lopatto zeigt das Zwangsarbeiterlager in Linden auf dem heutigen Sportplatz an der Hasenwinkeler Straße (In der Hei). Im Hintergrund ist die ev. Kirche Linden, damals noch mit spitzem Turm, zu sehen.

Leider sind die Schicksale der Zwangsarbeiter in der Öffentlichkeit meist ebenso unbekannt wie die Orte in Linden und Dahlhausen, wo Zwangsarbeit stattfand.

Aus diesem Grunde haben Schade und Lingnau-Konincks mithilfe des Stadtarchivs Bochum und unterstützt vom Internationalen Kulturverein e.V. sowie von PRO Dahlhausen e.V. eine Ausstellung zum Thema im Dahlhauser Bahnhofsgebäude organisiert. Gezeigt werden die eindrücklichen Zeichnungen von Valerian Lopatto sowie eine Darstellung der Ereignisse vom April 1945 mit dem Ziel, eine Gedenktafel vor Ort zu errichten, um an die ermordeten Zwangsarbeiter zu erinnern und ihnen damit wieder ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

Termine
 

Die Ausstellung wurde am Samstag, dem 08.11.08 um 16:00 Uhr im Bahnhof Dahlhausen mit einem Grußwort der Bezirksbürgermeisterin, Frau Doris Erdmann, eröffnet.

Die weiteren Öffnungszeiten der Ausstellung sind:
Sonntag, 09.11.08, Samstag, 15.11.08 und Sonntag, 16.11.08 jeweils von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

Hartmut Claes, im November 2008

Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.
 

 

 

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