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"Wunder von Bern"
Ein Streifzug
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Heimatbuch 

 

 

Ein Streifzug durch die Geschichte Dahlhausens

Von Lothar Weller

 

Dahlhausen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das ist eine ganz besondere Geschichte, aber auch eine, die für diese Zeit typisch ist für viele Orte im Ruhrgebiet. Von ein paar Alteingesessenen, ihren Häusern und dem Namen des Ortes einmal abgesehen, ist in Dahlhausen nichts mehr wie vor hundert Jahren. Aus einem Ort mit weniger als 400 Einwohnern, von denen fast jeder jeden kannte, ist etwas geworden, was die Alten zu dieser Zeit als anonyme Stadt empfunden haben müssen: In Dahlhausen leben jetzt 25 mal so viel Menschen wie zwei bis drei Generationen zuvor! Das ganze Ausmaß der Bevölkerungszunahme wird deutlich, wenn man sich diese Zahlenreihe ansieht: 1818 waren 387 Einwohner registriert, knapp 50 Jahre später (1867) waren es 1.371; das kann man noch als "normale" Entwicklung verstehen. Nur 4 Jahre später (1871) waren es aber schon 2.250, 1885 dann 4.000, 1908 bereits 10.700 und 1921 rund 13.000 Einwohner. Eine solche Zunahme in 100 Jahren ist auch mit hohen und höchsten Geburtenraten nicht zu erklären.

Grund ist die Industrialisierung, besonders die Gründerzeit ab 1870. Aus dem Kohleabbau im Tagebau wird der Tiefbau. Fabriken entstehen. Eisenbahnen und Straßen werden gebaut. Es werden Berg- und Fabrikarbeiter gebraucht - mehr als am Ort zu finden sind. Es beginnt ein enormer Zustrom von Arbeitskräften - auch nach Dahlhausen. Zunächst aus Westfalen und dem Rheinland, aber auch aus Hessen, später aus Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien. Kurz nach der Jahrhundertwende haben allein die Zeche Dahlhauser Tiefbau, die Steinfabrik Dr. C. Otto und das Stahl- und Eisenwerk zusammen mehr Beschäftigte als Dahlhausen 15 Jahre zuvor an männlichen Einwohnern (vom Baby bis zum Greis) hatte! Bald gibt es eine große Hessen-Kolonie in Dahlhausen. Polen-Vereine entstehen. Überhaupt nimmt die Gründung von Vereinen deutlich zu.

Dahlhausen ist als Station der Ruhrtalbahn von Steele über Hattingen bis nach Volmarstein und Ausgangspunkt der Kohlensammelbahn über Weitmar nach Laer schon seit ein paar Jahrzehnten Umschlagplatz für die von den umliegenden Zechen geförderte Kohle. Der Bahnhof gilt inzwischen als zu klein, um die stark wachsende Kohleförderung und die Produktion der heimischen Fabriken bewältigen zu können; er soll deshalb ausgebaut werden. Auch sonst wird viel gebaut. Die meisten Häuser in Bahnhofsnähe entstehen in dieser Zeit. Das bisher älteste bekannte Foto vom Dahlhauser Ortskern zeigt, dass etwa um 1888 in der Nähe des Bahnhofs nur wenige Häuser, meist Fachwerkhäuser, standen.

Es gibt noch keine Kirchen; auch sie werden jetzt erst gebaut. Dahlhausen hat aber seit kurzem eine "Burg". Ein Gastwirt hat auf der Anhöhe über der Ruhrstraße (heute Lewacker Straße) mit Ausblick über das Ruhrtal ein Kur- und Gasthaus mit dem höchsten Turm und dem größten Saal Dahlhausens (für bis zu 1.000 Personen!) gebaut. Die Burg Horkenstein wird ein beliebtes Ausflugsziel für die Bewohner des Umlands und zu einer Stätte für große Feste und politische Versammlungen. Dahlhausen hat jetzt auch eine freiwillige Feuerwehr.

Es ist die Zeit des Kaiserreiches. Es gibt deshalb in Dahlhausen einen Kriegerverein und nicht nur eine Kaiserstraße, sondern an deren Anfang, neben der Post in der Nähe des Bahnhofs (heute Eiberger Straße Ecke Dr.-C.-Otto-Straße), auch ein Denkmal mit der Statue Kaiser Wilhelms I., dessen Sockel später anstelle der Kaiserfigur einen Adler trug und danach noch bis Mitte der 1980er Jahre nur mit der Aufschrift Wilhelm I. am selben Platz erhalten blieb.

Dahlhausen gehört zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht zu Bochum, sondern noch (seit 1886) zum Amt Linden-Dahlhausen, nachdem es zuvor zum Amt Hattingen gehört hatte (seit 1815). Die Elektrische, wie die Straßenbahn damals genannt wird, verbindet Linden-Dahlhausen aber schon mit Bochum; der Anschluss ist gerade fertig geworden.

 

 

   

 

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