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Kann es was Schöneres geben, als in einem Fußball-Film als Komparse mitzuwirken?
Zwar
hatte ich mich noch nie mit solch einem Gedanken auseinandergesetzt, fühlte mich
trotzdem durch einen Artikel in der Zeitung aufgefordert, meine Bewerbung zu
schreiben. Für Dreharbeiten in dem Film
„Das Wunder von Bern“ suchte eine recht
bekannte Castingagentur offensichtlich noch Statisten. Spontan, wie ich seit dem
Einsetzen der Menopause nun mal bin, lud ich den Castingbogen der Firma
„Senzai-Cast“ auf meinem Computer herunter.
Ein allgemein verständliches Formular, welches für meine Begriffe auf den ersten Blick etwas
zu bürokratisch wirkte. Beim Ausfüllen kamen mir ehrlich gesagt so manche
Zweifel, da von künstlerischen Fähigkeiten die Rede bzw. die Frage war. Erst
zögernd, dann aber mit selbstbewusster Leichtigkeit umschrieb ich mein „Können“.
Zur Sangesfreude in den eigenen vier Duschwänden informierte ich, gleichzeitig
über den immer noch perfekt beherrschenden Wechselschritt beim Tanzen.
Sicherlich werden sie lachen, mich auslachen, dachte ich, aber „so what!?“. Mit
dieser Einstellung schickte ich meine „Bewerbung“ los.
Wider Erwarten setzte
sich wenige Tage später ein durchaus höflicher Mitarbeiter der Castingagentur „Senzai-Cast“ telefonisch mit mir in Verbindung. Interessiert erkundigte er sich
nach meiner Haarfarbe, wobei ich ihm leider nur das angedrohte superblond wie
auf dem Foto bestätigen musste. Klappe und Aus, damit war ich raus. Also, mit
solchen Haaren sah der junge Mann am anderen Ende keine Chance. Nicht dass er
mich nicht nett aussehend fand, ganz im Gegenteil, höflich gab er mir zu
verstehen wie leid es ihm tat. Auch der sinngemäße Fingerzeig auf eine Perücke
wollte ihn nicht so recht überzeugen, alsdann er sich betont kultiviert
verabschiedete.
Noch bevor ich mich
über die Unflexibilität so richtig ärgern konnte, erreichte mich ein erneuter
Anruf des gleichen Mitarbeiters mit einer Zusage zur Kleiderprobe.
Zwei Tage später saß
ich in der „Maske“, in hoffnungsvoller Erwartung auch mal so toll auszusehen wie
die „Sternchen“ oder „Stars“, oder wenigstens so ähnlich. Mit siebenundvierzig
auf siebenundzwanzig getrimmt zu werden stellte ich mir einfach himmlisch vor,
wurde aber ziemlich realitätsbrutal von der Wolke heruntergeholt.
Mir
standen fast die Tränen in den Augen als ich mich mit den verfilzten Locken und
dem unmöglichen Hut im Spiegel betrachtete. Schlimmer hätte es nicht kommen
können, oder doch? Ich musste ja auch noch das dazugehörige Kleid anziehen bzw.
mich hineinzwängen .... und die Schuhe.... und am Drehtag die angeblich passende
Handtasche um den Arm hängen. Diese schwarze Lederimitattasche gab meiner
Meinung nach dem Gesamtbild den Rest und ich hätte mir am liebsten die Kugel
gegeben. Für die Chefin der Garderobe absolut unverständlich, da sie „Schätzken“,
womit sie nicht nur mich sondern auch alle anderen Komparsen meinte, bildschön
hergerichtet fand.
Verkleidet, im Stil
der Fünfziger Jahre, und ungeschminkt schloss ich mich den anderen Komparsen an.
Merkwürdig kam es mir schon vor, dass alle anderen Frauen schöner aussahen als
ich, von den Männern ganz zu schweigen. Absolut gelungene Figuren gaben sie ab,
zu denen Regisseur Sönke Wortmann wirklich stolz aufsehen kann.
Einer von den älteren
Herren musste wohl einen Narren an mir gefressen haben, da er für Stunden nicht
von meiner Seite wich. Rein äußerlich passten wir sogar hervorragend zusammen,
die Perücke tat ihr Bestes. Nachdem ich es endlich schaffte, mich aus seinen
Klauen zu befreien, glaubte ein gutaussehender junger Mann seinen Arm ständig
um mich legen zu müssen. Wahrscheinlich sah er in mir eine Beschützer- oder eine
zu beschützende Person, vielleicht sogar eine Mutter.
Ja
richtig, er nannte mich manchmal sogar „Mama“, zuweilen auch „Tante Elsbeth“.
Ein bestimmt lustiges Bürschchen fand ich, denn auch während der mitunter
langweiligen Dreharbeiten verlor er nicht seinen Humor. So drang „Ein kleiner
grüner Kaktus“, „Veronika der Lenz ist da“, „Ich steh im Regen“ und noch
verschiedene andere Strophen von irgendwelchen Liedern an mein Ohr. Schon beim
Kaffeeschlürfen im Zelt während der Pausen war er mir aufgefallen bzw. sein
Humor und ich ihm bzw. meine Perücke mit dem ebenso lustigen Hütchen. Dass er
mehrere Fotos von mir machen wollte kam mir sehr gelegen, denn dummerweise hatte
ich meinen Fotoapparat vergessen und lebe nun in der Hoffnung, einen Abzug zu
erhalten.
Die Dreharbeiten auf
dem Bahnsteig des Bochumer Eisenbahnmuseum zogen sich wie Kaugummi, das heißt,
mir verging gänzlich die Lust dem heranrollenden Zug zum x-ten Mal zuzuwinken.
Das Deutschlandfähnchen in meiner Hand hing schon genauso schlaff herunter, wie
die unter dem Hut hervorlukende Lockenpracht. Kein Problem für die fleißigen
Damen von der Maske. Mit flinken Handgriffen und einigen Haarnadeln, so an die
fünfzig waren es, wurden sie gebändigt, die Locken.
Angelockt von den
leckeren Essensgerüchen aus dem Pausenzelt fühlte ich mich überhaupt nicht, da
der Gürtel des zu kleinen, beigefarbenen Seidenkleides mir den ganzen Tag über
ein indirektes Sättigungsgefühl vermittelte. Zum Glück fand wenigstens ein
Plastikbecherchen Espresso Platz, der mir ungelogen noch am nächsten Tag durch
den Kopf schwirrte. Genauso wie die wunderbaren Erlebnisse und Eindrücke vom
Drehtag im Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen.
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