Die Geschichte
Wie kam es zur
Gründung des Vereins PRO Dahlhausen e.V.?
Weil wir immer wieder danach gefragt werden, haben wir
diese Vereins-Vorgeschichte noch mal Revue passieren lassen
und den 'Stoff' zu diesem Drehbuch aufgeschrieben.
Dabei nahmen wir uns die Freiheit, den Beitrag bewusst lebendig
abzufassen: Der Inhalt ist also prosaisch und etwaige Ähnlichkeiten
mit lebenden Personen und Institutionen sind zufällig.
Die Geschichte des Dahlhauser Wochenmarktes ist
untrennbar verbunden mit der Geschichte einiger Menschen,
die es 'denen' beweisen wollten, und vor allem sich selbst!
Und irgendwie kam es, dass sie einen Verein gründeten.
Diese Vereinsgeschichte begann mit einem Eklat:
'Prima, was alles in Bochum-Linden auf die Beine gestellt wird',
äußerte sich ein Teilnehmer der Veranstaltung im Herbst 1994,
aber was ist mit Dahlhausen?
Wer kümmert sich um diesen Ortsteil.
Wir gehören doch auch zum Stadtteil Bochum-Südwest?!'
Der ältere Herr sah in ratlose Gesichter auf dem Podium einer
Veranstaltung der Werbegemeinschaft Bochum-Linden, Firmeninhaber
saßen neben Politikern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung Bochum.
Fast amüsiert klang es dann vom Podium:
'Das müsst Ihr schon selber machen!
Die Veranstaltung ist geschlossen.'
So schnell sich der Saal mit zufriedenen 'Lindenern'
leerte, so betroffen blieben die anwesenden 'Dahlhauser'
zurück. Sie klebten förmlich an ihren Stühlen.
Erst langsam kam ein Gespräch auf, mehr ein Stakkato:
'Das geht doch nicht...'. 'Was bilden die sich ein ...'.
'Wofür bezahlen wir unsere Steuern, wenn die eigenen
Politiker einen links liegen lassen...'. 'Die haben
sich über unser Dorf geradezu lustig gemacht...'.
'Die Werbegemeinschaft interessiert sich für Dahlhausen
nicht die Bohne, weil es dort kaum noch Geschäfte gibt...'.
'Eben, das ist ja das Problem, der Ort stirbt...'
'Und jetzt lassen die uns auch noch fallen...'.
Es hätte nicht viel gefehlt, und das arme Häuflein
der Leute aus dem 'Loch', wie es damals in Bochum über den
im Tal liegenden Arbeiter-Stadtteil Dahlhausen abschätzig hieß,
wäre auseinander gelaufen wie eine herrenlose Schafherde.
Aber es kam anders, ganz anders.
Enttäuschung wechselte über Realismus bis zu Wut und Tatendrang.
Entwicklungsschritte also, die Mensch und Gesellschaft ohnehin
gut zu Gesicht stehen.
Die letzten fünf Verbliebenen waren sich schließlich einig,
'Wir machen es wirklich selbst!' Es ist ja auch sonst keiner da.
'Wir treffen uns wieder!' - Es klang wie ein Schwur.
Die Wut machte sich als erstes in einem Trinkgelage Luft.
Ein Bierstand in der Fußgängerzone, ein Zelt, Weihnachtsstimmung,
Glühwein bis zum Abwinken, fröhliche Menschen überall, von denen
die meisten sich noch nie in ihrem Leben das Recht genommen hatten,
auf offener Straße ein Fest zu feiern.
Einfach so. Zum Trotz. - Dahlhausen hielt den Atem an!
Dann ging alles recht schnell:
Bald war klar, ohne eine Struktur bekommen wir nichts auf die Beine.
Also einen Verein gründen? 'Niemals...'. 'Bloß keinen Verein, es gibt
doch schon so viele...'. 'Ich hasse Vereine...'. 'Ich war noch nie
in einem...'. 'Ich bin alles, aber kein Vereins-Typ...' usw. usw.
Diese herrliche Abneigung gegen Vereinsmeierei, gegen dumpfe Hierarchien,
gegen Gehorsam und Unterordnung, gegen Regeln, Satzungen, Bürokratien...:
Alles zusammen die beste Voraussetzung also, einen Verein zu gründen!!
Wir würden uns bestimmt nicht in Formalitäten festbeißen, wir nicht.
Fast könnte man die Geschichte vorschnell beenden:
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann mögen sie noch heute keinen
Verein...
Denn mit Formalitäten, mit starren Regeln, mit 'das macht man nicht' oder
'das haben wir schon immer so gemacht' hat sich dieser Verein bis heute
nicht aufgehalten oder aufhalten lassen.
Sein Name sei: PRO Dahlhausen e.V.
Am 13.Februar 1995 wurde er gegründet.
Sieben Menschen sollten es sein, ungefähr so viele waren es dann auch.
Mehr als 20 Namens-Vorschläge wurden verworfen, bis sich der neue
Vereinsname schließlich einstimmig durchsetzte.
In der Satzung wurde als Vereinszweck wegweisend festgehalten,
'in Zusammenarbeit mit den Stadtteilbewohnern aus allen Kulturkreisen,
mit Vereinen, Behörden und anderen Körperschaften die wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Weiterentwicklung in Dahlhausen zu fördern.'
Wie lange allein wurde um den Passus 'aus allen Kulturkreisen' gerungen!
'Sollen wir uns jetzt auch noch um die Ausländer kümmern ...?'
Oder um die Frage, 'sozial und kulturell' ist ja ganz gut, aber wieso
wirtschaftliche Weiterentwicklung, das sollen die Geschäftsleute machen'.
Nun, so kam es auch. Die Geschäftswelt saß mit an Bord, ein türkischer
Bewohner Dahlhausens (damals noch ohne deutsche Staatsbürgerschaft) fand
auch zu uns, und bei diesen großen Schwerpunkten blieb es bis heute.
Das erste Projekt
Ein Markt muss nach Dahlhausen! Die Leute wollen ihn.
Eine der ersten Folgen des neuen Tatendrangs in Dahlhausen war die
Durchführung einer umfangreichen Haushaltsbefragung:
'Was fehlt in Dahlhausen' lautete eine der Leitfragen.
Und die Antworten kamen so zahlreich, dass wir tief berührt waren
und erkennen durften: Wir werden gebraucht. Wir haben das richtige
Signal zur richtigen Zeit gegeben. Also, dann los!
Auf Platz 1 der Wünsche stand ein Markt, auf Platz 2 eine Discounter,
auf Platz 3 ein Kinderarzt. Zu allem wurde nun intensiv gearbeitet.
Als erstes haben wir uns vorgenommen, einen Wochenmarkt auf
dem Bahnhofsvorplatz einzurichten.
Was waren wir naiv:
Das Gespräch mit dem Vorstand der Markthändler-Vereinigung Bochum war ernüchternd:
'Was wollt Ihr, noch einen Markt in Bochum, und noch dazu in Dahlhausen? Ihr seid doch verrückt. Wir kriegen ja nicht mal unsere jetzigen Märkte voll...'
WIR: 'Wollen Sie es nicht einmal versuchen?'
Die Vereinigte Bochumer Markthändlerschaft:
'Klares Nein, von uns macht keiner mit. Das könnt' Ihr vergessen:'
Also haben wir uns Markthändler von woandersher geholt. Von Gelsenkirchen, von Essen, Hattingen, Gladbeck, Bottrop ... Aber das war später.
Ordnungsamt Bochum:
'Wir möchten gerne einen Markt...'
'Nein, das geht nicht, wir eröffnen keinen neuen Markt in Bochum ...'
'Wir wollen aber einen auf die Beine stellen, die Bevölkerung will ihn...'
'Die Entscheidung treffen immer noch wir: Es gibt keinen neuen Markt...'
'Und wenn wir ihn trotzdem machen...?' - 'Ohne Genehmigung ist das
illegal...'
'Dann ist es also illegal, was die Menschen in Dahlhausen brauchen, das ist ja eine schöne Haltung. Wir machen ihn einfach, dann sehen wir
weiter...'
'Davon rate ich Ihnen dringend ab, wir werden das unterbinden...'
'Sehen Sie denn gar keine Möglichkeit...?'
'Nein! Es sei denn, sie organisieren eine
'Sonderverkaufsveranstaltung'...'
'Eine was?!'
'Das ist eine einmalige werbliche Veranstaltung. Die könnten wir Ihnen
genehmigen. Dabei entfallen dann einige Hürden, die es bei einem regulären Markt zu überwinden gibt...'
Der Durchbruch unseres Gesprächs?
'Wie oft würden Sie denn eine solche Sondernutzungserlaubnis erlauben?'
'Ich könnte Ihnen viermal in Aussicht stellen...'
'Wir wollen aber keine vorübergehende Sache, sondern einen Dauermarkt...'
'Einen Markt wird es in Dahlhausen nicht geben...'
'Wie jetzt, Sie sagten doch gerade, wir könnten eventuell eine andere Art von Markt...'.
'Das ist kein Markt, das ist eine ...'
'O.k., Sonderverkaufsnutzungs...'. - 'Wollen Sie das nun oder nicht?'
'?JA! Wir wollen. Was müssen wir tun?'
'Nun es gibt hier einige andere Auflagen...'
'Welche denn?'
'Jede Woche einen neuen Antrag, Ausschank und Essen vor Ort getrennt unter Einhaltung der Gaststättenverordnung, Einzelgenehmigung jedes
Händlers.... Die ganze Kopfsteinfläche (das ist die gesamte Fläche!) muss mit dicken
Gummimatten ausgelegt werden, eine Stunde vor der Veranstaltung, rutsch- und
stolperfrei. Eine Stunde danach muss alles wieder abgeräumt und Platz und Wege
besenrein sein. Keine Beschädigung oder Befahren der Vorplatzwiese, auch nicht durch
Marktstände. Wenn Belästigungen auftreten, schließen wir die Veranstaltung. Wir werden das vor Ort regelmäßig und unangekündigt kontrollieren...'
Das war's dann wohl. Unmöglich durchzuführen. Die wollen es einfach
nicht. Und wir können es nicht. - Oder doch?
Dieser fast typische Auszug aus unserer (Vereins-) Geschichte soll zur
Erläuterung
erst mal reichen: Wie alles anfing, welche Schwierigkeiten überwunden werden
mussten.
Wir haben sie alle überwunden.
Haben Hohn und Spott und mancherlei Beschwernisse, nicht nur von der
Verwaltung,
auch von der Politik aushalten müssen. Und was besonders schwer zu ertragen
war:
Auch von Leuten aus unserem eigenen Stadtteil, von Nachbarn, Kneipengängern,
Obdachlosen, verbiesterten Altdahlhauser Gewohnheits-Nörglern, konservativen
'Socken'
und, ja man muss und darf es auch sagen, von türkischen Mitbürgern.
Bei denen gibt es eben dieselben Hierarchien wie bei uns:
So hielten sich türkische Dahlhausener für die Größten, spielten sich in der
Öffentlichkeit demonstrativ als 'Bürgermeister von Dahlhausen' auf. Das nahm
mitunter aggressive Züge an.
Wir haben all' das überwunden oder ausgestanden, überlebt, überzeugt oder
zurückgedrängt.
So kam es, dass in Dahlhausen ein 'Markt' (pardon: Eine ...) entstand!
Den wir bis heute regelmäßig neu beantragen müssen, für den die Händler mehr
Standgebühr bezahlen müssen als auf einem 'echten Markt'...
28. September 1995: Der erste Markttag wurde ein grandioser Erfolg.
Wir hatten recht behalten. Sie kamen von überall her: Aus Dahlhausen,
Oberdahlhausen, Lewacker, Steele-Horst, Linden, Weitmar, sogar aus Hattingen,
Essen und
Bochum.
Wir waren tief bewegt, verteilten Blümchen und führten eine Verlosung durch.
Unter dreißig Geschenken war ein Montain-Bike der Hauptgewinn. Ein rauschendes
Fest!
Von nun an jeden Donnerstag auf dem Bahnhofsvorplatz in Bochum-Dahlhausen.
Das größte Wagnis aber war: Der Wochentag und die Öffnungszeit!
Die Markthändler im Umland hatten ihre festen Plätze auf den Märkten,
an festen Tagen, meist samstags und mittwochs. Was blieb, war ein
Donnerstag,
das würden die Händler probieren. Weil wir so begeistert diesen Markt
aufbauen!
Das hätte sie überzeugt. Dann würde man weitersehen.
Vereinbart wurde ein (seltener) Ganztagesmarkt, von 07.00 Uhr bis 18.00 Uhr
geöffnet!
Die Berufstätigen sollten morgens und Abends versorgt werden können, frisch
vom Markt.
Das Konzept ging auf. Über viele viele Jahre.
Fast zwanzig Vorstandsmitglieder hat es inzwischen gegeben und ungezählte
Aktive, die
ihren Beitrag leisteten in diesem Prozess. Bis zu 140 Mitglieder hatten wir
eingeworben.
Hier machen wir einen Sprung in die neuere Zeit.
In die Zeit der Wirtschaftskrise, die auch so feine Märkte erfasst wie den
unseren.
Trotz wöchentlich seit über 10 Jahren ehrenamtlichem Engagement, trotz
persönlich
hohem Einsatz, trotz Live-Musik an den Markttagen, trotz einer Vielzahl von
Veranstaltungen
unter unserem Leitmotto 'Dahlhausen in Bewegung', trotz Hunderten von Seiten
(!)
in der WAZ, die die Markthändler mit ihren Anzeigen und wir ergänzend mit
Vereinsmitteln
finanziert haben, trotz Geschenk- und Verlosungs-Aktionen, trotz Werbung und
Mitmachaktionen der verbliebenen Dahlhauser Geschäftswelt, trotz Zusammenarbeit
mit
anderen
Vereinen, trotz Verkürzung auf einen Halbtagesmarkt, trotz Erlass von
Standgebühren,
trotz alledem: Dem Dahlhauser Wochenmarkt geht es schlecht! Wir brauchen
Hilfe.
Neue Markthändler aus Stadt und Lang müssen wir gewinnen!
Mit unserem schönen Bahnhofsvorplatz (ein Katzensprung von den Ruhrwiesen
entfernt)
Mit den einmaligen öffentlichen Verkehrsverhältnissen (Busse, Straßenbahn
und S-Bahn beieinander). Eine Taxizentrale um die Ecke.
Mit unserer jahrelangen Tradition eines außergewöhnlichen Marktes.
Und mit unseren Herzen.
Helfen Sie uns, neue Markthändler zu werben. Danke.
Jahreswechsel 2004/2005 Der Vorstand
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