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Dahlhausen. Der 1916
erbaute Bahnhof in Dahlhausen hat schon so manchen ungewöhnlichen Frühling
erlebt. Aber der „2nd Spring“ (Zweiter Frühling), wie sich die Musikgruppe
nennt, die am Samstag im Bahnhof auftrat, wird wohl auch für das historische
Gemäuer neu gewesen sein. Viereinhalb Stunden Evergreens vom Allerfeinsten
hatten die Rockmusiker in ihrem Repertoire. Um 19 Uhr ging es los. Um 23:30
wurden mit Rücksicht auf die Nachbarn die Stecker gezogen.
Wenn es nach dem
Willen des Publikums gegangen wäre, hätte die Gruppe noch weit bis nach
Mitternacht weitergerockt. Ihre Musikrichtung traf genau den Geschmack der
Zuhörer im Alter von 30 bis 60 Jahren. Klassiker von Jonny Casch, CCR, den
Beatles, Gerry Rafferty machten den Anfang. Zunächst bewegten sich die Musiker
auf der Bühne noch etwas müde, aber mit aufkommenden Applaus kam mächtig viel
Schwung in die Truppe. Nach
der ersten Pause liefen die Altrocker dann zur
Höchstform auf. Zuschauer sprangen auf die Freifläche der alten Schalterhalle
und machten den Steinfußboden zum Tanzparkett. Spätestens mit „Paint in Black“
von den Rolling Stones war dann der Bann endgültig gebrochen. Zuschauer und
Musiker waren restlos aus dem Häuschen. Frontmann Reinhold Rasch scherte sich
weder um seine schmerzende Hüfte noch um seine lädierten Bandscheiben und
bewegte sich wie in besten Zeiten ekstatisch auf der Bühne. Und wer glaubte, die
Stimmung sei nicht mehr zu steigern, sah sich getäuscht. Mit den Stones-Klassikern „Brown Sugar, Honky Tonk Woman und Jumping Jack Flash“ bebte
die historische Halle so, als würde hinter dem Bahnhof gerade die wegen ihrer
brutalen Lautstärke gefürchtete Lokomotive „Taiga Trommel“ herrattern...
The
Road to Rock (Überschrift auf der Homepage)
1998 gründete der
Versicherungskaufmann Reinhold Rasch seine Rockband „2nd Spring“. Mit ihrer
Musik bescheren sie den Zuhörern und sich selbst den „Zweiten Frühling“. Zu den
Urgesteinen der Gruppe zählen neben Frontmann Reinhold „Blondie“ Rasch auch
Werner „Schammel“ Szymaniak und Gerd Godde. Später kamen der Schlagzeuger
Wolfgang Orgzewalla und der Bassist Toni Rieger hinzu. Infos mit einer
musikalischen Kostprobe gibt´s unter
www.2nd-spring.de.
Nach dem Saxophon-Konzert hatte PRO Dahlhausen
als Veranstalter nun schon das zweite bemerkenswerte Konzert „auf die Beine
gestellt“. Und wieder einmal wurde PRO Dahlhausen von Josef Janorschke, dem
Eigner des Bahnhofs enttäuscht. Die Toilette im Bahnhof war erneut entgegen der
vertraglichen Absprachen geschlossen. Aus den Erfahrungen der letzten Monate
hatte man allerdings Konsequenzen gezogen. Mit Hilfe der Bezirksvertretung und
des Kulturbüros konnte ein WC-Wagen vor dem Bahnhof aufgestellt werden. „Keine
preiswerte Lösung, immerhin kostet der Spaß über 400 Euro“, machte Rosemarie
Holler von Pro Dahlhausen ihrem Ärger Luft. Der Unmut war verständlich, doch
genauso groß war
auch die Freude über den guten Besuch. Mehr als Hundert Gäste
fanden den Weg nach Dahlhausen und sie werden den historischen Bahnhof als
Spielstätte für Kultur- und Musikveranstaltungen in bester Erinnerung behalten.
Die Musiker jedenfalls waren begeistert. Sie wurden nach dem Konzert von
zahlreichen Zuschauern per Handschlag und viel Schulterklopfen verabschiedet.
Text & Fotos: Hartmut Claes/WAZ
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