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Dahlhausen. Schade, ein
wunderschöner Konzertabend hätte noch faszinierender werden können, wenn da
nicht die Dissonanzen zwischen dem Verein Pro-Dahlhausen und dem neuen
Bahnhofsteilbesitzer, dem Verein Prokulturgut.net wären. Missklänge, die
Pro-Dahlhausen-Vorsitzender Joachim Berndt in seiner
Begrüßungsrede
ganz deutlich ansprach. „Es hat in der jüngsten Vergangenheit Äußerungen und
Umstände gegeben, die befürchten lassen, dass unsere bewährten
Kulturveranstaltungen in der gewohnten Form nicht mehr stattfinden können.“
In
seiner Not wandte sich Berndt an das Kulturbüro und die Zentralen Dienste der
Stadt Bochum. Offensichtlich mit Erfolg, denn rund 24 Stunden vor dem geplanten
Konzert des Folklore-Quartetts Vallvisa waren alle Räume im Bahnhof so
hergerichtet, dass rund 50 Besucher einen unvergessen schönen Abend erleben
durften.
Kaum waren die ersten
Akkordeon-, Kontrabass,
Geige-
und Klarinettenklänge angestimmt, war auch schon das Unverständnis über die
leidigen Irritationen verflogen. „Ich habe schon viele Musikveranstaltungen in
Dahlhausen erlebt, aber der heutige Abend gehört zu den künstlerischen
Glanzpunkten“, schwärmte eine langjährige Besucherin. Ihr wird wohl niemand
widersprochen haben, denn, dass was der Bochumer Musikdozent Henner Diederich
mit den drei exzellenten Nachwuchsmusikern darbot, löste nach jedem Stück
tosenden Beifall aus.
Mal
traurige, mal fröhliche Folklore-, Zigeuner- und Klezmermusik vornehmlich aus
Osteuropa gehörte zu dem breit gefächerten Repertoire des Ensembles.
Die traditionellen Melodien
und Rhythmen sollten eigentlich ursprünglich zum Tanzen auffordern. Sie
erfreuten sich aber auch in den raffiniert dargebotenen Arrangements großer
Beliebtheit.
Diederich
selbst war schon häufig in Osteuropa, um die Musik dort kennen zu lernen, wo sie
ihre Wurzeln hat.
„Noch in der Zeit des
Ceaucescu-Regimes waren wir in Rumänien und wurden dort auf Schritt und tritt
von der Geheimpolizei Securitate beschattet“, erinnerte er sich an seine
Balkanreisen.
„Fast
alle unsere Musikstücke spielen wir in Molltonarten. Moll war auch bei uns vor
rund 500 Jahren die favorisierte Tonart, bis irgendwann der Wechsel zu Dur
folgte“, erklärte Diederich, der an dem Abend sein angestammtes
Violoncello-Instrument gegen einen wuchtigen Kontrabass tauschte, dessen Seiten
er mal zupfte und dann liebevoll strich. Zwischen den Stücken gab Diederich
immer wieder Informationen zu den einzelnen Titeln.
Henner Diederich, geb. am 12.11.1940 in Danzig,
war als Violoncellist bis zum Jahre 2005 Mitglied der Essener Philharmoniker.
Seit vielen Jahren unterrichtet er das Fach Folklore an der Universität zu Köln
und an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Er leitet das „Ensemble
Rossi“, ein Spezialensemble für europäische Folklore mit Lied- und
Tanzeinspielungen bei vielen Verlagen, Rundfunkproduktionen und Live-Sendungen.
Die aktuellste Einspielung ist die CD „Djingalla 3“, Tanz- und Bewegungsmusik,
erschienen Ende 2008 im Uccello Verlag.
Nach dem Konzert mischten sich
die Musiker unter das Publikum. Dabei zollte der Geiger Martin Weber dem 1916
erbauten Dahlhauser Bahnhof ein dickes Kompliment. „Die Akustik hier ist fast so
schön wie im Kölner Dom.“
Text & Fotos: Hartmut Claes/WAZ
Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.
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