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Bahnhof Dahlhausen

 

"Fast so schön wie im Kölner Dom"

Ein Konzertabend am 24.10.2009
mit dem Folklore-Quartett "Vallvisa" 

 



 

Dahlhausen. Schade, ein wunderschöner Konzertabend hätte noch faszinierender werden können, wenn da nicht die Dissonanzen zwischen dem Verein Pro-Dahlhausen und dem neuen Bahnhofsteilbesitzer, dem Verein Prokulturgut.net wären. Missklänge, die Pro-Dahlhausen-Vorsitzender Joachim Berndt in seiner Begrüßungsrede ganz deutlich ansprach. „Es hat in der jüngsten Vergangenheit Äußerungen und Umstände gegeben, die befürchten lassen, dass unsere bewährten Kulturveranstaltungen in der gewohnten Form nicht mehr stattfinden können.“

In seiner Not wandte sich Berndt an das Kulturbüro und die Zentralen Dienste der Stadt Bochum. Offensichtlich mit Erfolg, denn rund 24 Stunden vor dem geplanten Konzert des Folklore-Quartetts Vallvisa waren alle Räume im Bahnhof so hergerichtet, dass rund 50 Besucher einen unvergessen schönen Abend erleben durften.

Kaum waren die ersten Akkordeon-, Kontrabass, Geige- und Klarinettenklänge angestimmt, war auch schon das Unverständnis über die leidigen Irritationen verflogen. „Ich habe schon viele Musikveranstaltungen in Dahlhausen erlebt, aber der heutige Abend gehört zu den künstlerischen Glanzpunkten“, schwärmte eine langjährige Besucherin. Ihr wird wohl niemand widersprochen haben, denn, dass was der Bochumer Musikdozent Henner Diederich mit den drei exzellenten Nachwuchsmusikern darbot,  löste nach jedem Stück tosenden Beifall aus. Mal traurige, mal fröhliche Folklore-, Zigeuner- und Klezmermusik vornehmlich aus Osteuropa gehörte zu dem breit gefächerten Repertoire des Ensembles.

Die traditionellen Melodien und Rhythmen sollten eigentlich ursprünglich zum Tanzen auffordern. Sie erfreuten sich aber auch in den raffiniert dargebotenen Arrangements großer Beliebtheit. Diederich selbst war schon häufig in Osteuropa, um die Musik dort kennen zu lernen, wo sie ihre Wurzeln hat.

„Noch in der Zeit des Ceaucescu-Regimes waren wir in Rumänien und wurden dort auf Schritt und tritt von der Geheimpolizei Securitate beschattet“, erinnerte er sich an seine Balkanreisen. „Fast alle unsere Musikstücke spielen wir in Molltonarten. Moll war auch bei uns vor rund 500 Jahren die favorisierte Tonart, bis irgendwann der Wechsel zu Dur folgte“, erklärte Diederich, der an dem Abend sein angestammtes Violoncello-Instrument gegen einen wuchtigen Kontrabass tauschte, dessen Seiten er mal zupfte und dann liebevoll strich. Zwischen den Stücken gab Diederich immer wieder Informationen zu den einzelnen Titeln.

 

Henner Diederich, geb. am 12.11.1940 in Danzig, war als Violoncellist bis zum Jahre 2005 Mitglied der Essener Philharmoniker. Seit vielen Jahren unterrichtet er das Fach Folklore an der Universität zu Köln und an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Er leitet das „Ensemble Rossi“, ein Spezialensemble für  europäische Folklore mit Lied- und Tanzeinspielungen bei vielen Verlagen, Rundfunkproduktionen und Live-Sendungen. Die aktuellste Einspielung ist die CD „Djingalla 3“, Tanz- und Bewegungsmusik, erschienen Ende 2008 im Uccello Verlag.

 

Nach dem Konzert mischten sich die Musiker unter das Publikum. Dabei zollte der Geiger Martin Weber dem 1916 erbauten Dahlhauser Bahnhof ein dickes Kompliment. „Die Akustik hier ist fast so schön wie im Kölner Dom.“

 

Text & Fotos: Hartmut Claes/WAZ

Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.


 

 

Eindrücke vom Konzertabend finden sich im Videoportal www.YouTube.de und können hier direkt abgespielt werden, solange sie dort nicht vom Autor entfernt werden:

 

Wir danken Michael Susewind für das Videomaterial.

 

 

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